Dienstag, 14. Juli 2015

1 Jahr "No-Poo"- Eine Bilanz über ein Jahr ohne Shampoo

Vor genau einem Jahr habe ich meine letzte Shampoo-Flasche entsorgt. Seither haben meine Haare kein Shampoo mehr von der Nähe gesehen. Inspiriert dazu wurde ich damals von einer Schülerin, die mich immer wieder mit alternativen Ansätzen überrascht. Denen ich zunächst meist skeptisch begegne…. aber ich bin nicht nur von Natur aus skeptisch, sondern auch extrem neugierig und meist setzt sich Letzteres durch.
Im Internet findet man zu dem Thema "No-Poo" (ein sehr umcharmanter Namen, wie ich finde) jede Menge Lesematerial. Beim Einstieg in den Ausstieg aus der Abhängigkeit meiner Haare von Shampoo und Balsam lehnte ich mich die erste Zeit ziemlich genau an die Vorschläge der No-Poo Spezialistin Lucy Aitken, die auf ihrem Blog Lulastic and the Hippieshake auf sehr erfrischende und unterhaltsame Weise unter Anderem über ihren Weg weg von der Shampoo-Flasche schreibt, an.




Obwohl ich meine Haare ohnehin schon seit vielen Jahren nur noch mit natürlichen Shampoos & Co gewaschen hatte, bin ich nicht um diese Umstellungphase herumgekommen in der sich die Talgproduktion erst mal wieder regenerieren muss um zu ihrer natürlichen Funktion zurückzufinden.
Diese Phase war relativ kurz, dennoch bemerkte ich nach einiger Zeit einen wächsernen Film auf den Haaren, der sich partout nicht wegwaschen lassen wollte. Aber auch das konnte ich in den Griff bekommen.
Abgesehen davon gab´s keinerlei Umstellungschwierigkeiten und ich hatte den Dreh recht bald heraussen.
Mittlerweile sind meine Haare offensichtlich soviel glücklicher ohne all den teuren Krimskrams und wachsen in einem Tempo wie ich es davor noch nie erlebt habe. Seit letztem Jahr 20cm und das obwohl ich jeden Monat meine Spitzen schneide!
Gleichzeitig sind meine Naturwellen stärker geworden, was ich sehr schätze :)

Aber was verwende ich denn jetzt statt Shampoo und Balsam?
Ich musste mich natürlich schon eine Zeit lang durchprobieren um herauszufinden, was meinen Haaren gefällt. Im Allgemeinen wird bei No-Poo entweder nur Wasser, oder Natron gefolgt von einer Essigspülung verwendet. Natron hat bei meinen Haaren allerdings gar nicht funktioniert. Auch Heilerde, die ich für die Haut wirklich liebe, war bei meinen Haaren ein totaler Reinfall.
Irgendwann bin ich auf Youtube über ein Video gestoßen in dem ein Mädel -genauso minderbegeistert von der Natronvariante wie ich- von Honig als Shampooersatz erzählt. Das hat mich natürlich gleich interessiert, wo doch Honig generell so viel mehr als "nur" ein wertvolles Lebensmittel ist und außerdem war ich von der Idee angetan, dass meine Haare vielleicht doch mal wieder irgendetwas mit Duft abbekommen könnten - denn das fehlte mir immer am Meisten: dass meine Haare einfach nicht mehr nach Shampoo riechen, sondern einfach nach Haaren…. ja man ist halt verwöhnt….

Für meine Haare verwende ich 1 Esslöffel Honig in 3 Esslöffel lauwarmem Wasser aufgelöst. Das verteile ich dann so wie normales Shampoo in den Haaren. Sehr zu empfehlen ist das Honigwasser in eine Flasche mit einem Trinkaufsatz zu füllen, so kann man das Ganze wesentlich besser dosieren und verteilen. Das Honigwasser etwas einmassieren, 1-2 Minuten einwirken lassen und dann mit Wasser ausspülen. Anschließend verwende ich meine Apfelessigspülung. Diese besteht aus 3 Esslöffel Apfelessig, die ich in einem Liter abgekochtem Wasser auflöse und weil ich dann doch nicht ohne Duft auskommen will mit 8 Tropfen ätherischem Orangen- und 5 Tropfen Minzöl verfeinere. Diese Mischung reicht bei mir für 5-6 Waschgänge.

Ein Tipp, der sich bei mir ganz markant darauf ausgewirkt hat, den wächsernen Film loszuwerden: in Gebieten in denen das Leitungswasser einen hohen Kalkgehalt hat am Besten abgekochtes Wasser für die Haarwäsche verwenden.

Wenn die Haare doch mal mehr brauchen oder ich eine Ölkur gemacht habe, die mein Honigshampoo nicht mal mit einem müden Lächeln beschenkt und standhaft in meinen Haaren verweilt, dann schwöre ich auf eine Mischung aus 1-2 Eiern (je nach Haarlänge und Dichte) und 1-2 Esslöffel frisch gepressten Zitronensaft, gefolgt von meiner Apfelessigspülung.
Absolut wichtig zu erwähnen, denn da hatte ich auch schon meine Erlebnisse der besonderen Art, bevor ihr die Eier auf den Kopf leert, unbedingt die Haare so KALT wie ihr es aushaltet waschen und auch danach unbedingt zuerst kalt ausspülen. Sonst gibt´s Eierspeis* am Kopf!
Die Haare sind nach dem Waschgang mit dem Ei-Shampoo engelsgleich, himmlisch weich und hochglänzed wie frisch polierter Chrom. Traumhaare die auch für mehrere Tage so schön bleiben.

Alles Andere an Alternativen hat bei meinen Haaren nicht funktioniert, beziehungsweise habe ich mich auch dagegen entschieden irgendwelche teure Pülverchen zu kaufen, die von sehr weit her gereist sind, weil das irgendwie für mich den Punkt verfehlt.
Neben der riesigen Geldersparnis, sind Honig, Essig und Ei nämlich regionale und umweltfreundliche Produkte.

Essenziell ist auch das tägliche, ausgiebige Bürsten der Haare am Besten mit einer Naturborstenbürste. Das reinigt die Kopfhaut und die Haare mechanisch, durchblutet die Kopfhaut (was vermutlich auch das Haarwachstum so in Gang gesetzt hat) und verteilt den Talg auf den Haarenlängen, der Beste von der Natur geschenkte Balsam überhaupt!

Auch wenn ich anfangs etwas durchhalten musste (war aber echt nicht so schlimm), hat sich´s voll ausgezahlt und ich war kein einziges Mal der Versuchung nahe doch nochmal Shampoo zu verwenden. Tut mir leid, Shampoo-Industrie. Mich habt ihr als Konsumentin endgültig verloren.

*Rührei

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